Projekte von Fabio Wegmüller

Die mittelpaläolithische Fundstelle Mutzig (Alsace, Bas-Rhin F)
Co-Leitung der Grabung und wissenschaftliche Mitarbeit bei der Auswertung und Publikation der Funde
Intakte Fundstellen aus der mittleren Altsteinzeit sind eine Seltenheit in unserer Region. Die ca. 30km östlich von Strassburg gelegene Fundstelle Mutzig ist aus diesem Grund von besonderem Interesse. Schon 1873/74 wurden pleistozäne Tierknochen in der unmittelbaren Umgebung der Stadt Mutzig entdeckt. Mehr als 100 Jahre später kamen Steinartefakte und Tierknochen anlässlich einer Grundstückserweiterung am Fusse des Mutzigbergs zum Vorschein. Erste Sondierungen zwischen 1992 bis 1996 unter der Leitung von Jean Sainty erbrachten den archäologischen Nachweis für Siedlungsüberreste am Hangfuss sowie auf Terrassen des angrenzenden Buntsandsteins. Es handelt sich dabei um Steinartefakte, die aus einer Vielzahl an lokalen Gesteinsarten hergestellt wurden, sowie um Knochen von Mammut, Rentier, Pferd und anderen Grosssäugern. Die Überreste datieren in den Beginn des Würmglazials (ca. 115'000 bis 40'000 Jahre vor heute). Organisationsbedingte Gründe erlaubten jedoch keine eingehende archäologische Untersuchung der Fundstelle, und erst 2008 entschied man sich für die Lancierung eines eigentlichen Grabungsprojekts. Die Ergebnisse der 2009 durchgeführten Sondierung im Kernbereich der Fundstelle deuten auf eine wiederholte Besiedlung eines Felsdaches durch Neandertaler hin. Ein rascher Eintrag von Hangschutt führte zur Konservierung von Siedlungshorizonten, die es nun auszugraben und detailliert zu dokumentieren und datieren gilt. Seit 2010 wird die Fundstelle mit einem Kooperationsprojekt Pôle d'Archéologie Interdépartemental Rhénan und der Universitäten von Basel, Strasbourg und Köln (2011 und 2012) in jährlichen Ausgrabungskampagnen ausgegraben und erforscht (Web).

Der Abri Unterkobel in Oberriet (SG)
Projektleitung des Auswertungsprojektes und verantwortlicher Grabungsleiter von 2011-2012
In der Deponie Unterkobel auf dem Gebiet der Gemeinde Oberriet (SG) wurde im Frühjahr 2011 eine archäologische Fundstelle unter einem Felsdach - ein sogenannter Abri - entdeckt und im Rahmen einer Rettungsgrabung teilweise ausgegraben. Die verbleibenden Schichtpakete wurden überschüttet und bleiben so gut geschützt erhalten. Die über vier Meter hohe Schichtabfolge lieferte Funde vom Mesolithikum bis in römische Zeit. Bei den Ausgrabungen wurden grosse Mengen an Steinartefakten, Tierknochen und Keramikfragmenten geborgen. Dazu konnten viele gut erhaltene Feuerstellen und Spuren einfacher Einbauten im Abri dokumentiert werden. Im Anschluss an die Ausgrabung wurde ein interdisziplinäres Auswertungsprojekt zur Fundstelle ausgearbeitet und konnte dank der Finanzierung durch den Lotteriefonds des Kantons St.Gallen zu Beginn 2014 gestartet werden. Seit September 2015 werden zudem die Tierknochen, die Mikrofauna und die Mollusken im Rahmen eines dreijährigen SNF-Projekts untersucht und publiziert.

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