Experimentelle Herstellung von neolithschen Knochen- und Geweihartefakten

Jörg Schibler und Sabine Deschler-Erb

Als Abschluss der Vorlesung "Knochen und Geweih als Rohmaterial zur Werkzeugherstellung in Neolithikum und Römerzeit: Typologie, Chronologie, Technologie und Rohmaterial" aus dem Master-Studiengang in Prähstorischer und Naturwissenschaftlicher Archäologie (FS 2009) wurde ein 2-tägiger Kurs in experimenteller Herstellung von neolithischen Werzeugen und Schmuckgegenständen durchgeführt. Dieser Kurs findet schon seit mehreren Jahren in Zusammenarbeit mit dem bekannten Experimentalarchäologen Max Zurbuchen in seiner Urgeschichtswerkstätte im Museum Burghalde in Lenzburg statt.

 

Herstellung von Knochenmeisseln

Die Mittelhand- und Mittelfussknochen von Rothirschen werden entlang der Verwachsungsnaht (Sulcus) mittels einer Silexklinge oder eines Silexabschlages aufgesägt und zweigeteilt. Ein Gelenkteil wird durch Anschleifen an einer Sandsteinkante abgetrennt und die Trennstelle zu einer Meisselkante zugeschliffen. Mittels dieser massiven Knochenmeissel lässt sich Hirschgeweih bearbeiten.

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Die Studierenden bei der Meisselherstellung vor dem Museeum Burghalde bei Lenzburg


Herstellung neolithischer Schmuckbänder aus Hirschgeweih

In der neolithischen Ufersiedlung von Arbon Bleiche 3 wurden zahlreiche Fragmente von punktverzierten, hauchdünnen Hirchgeweihbändern gefunden. Einige waren an den Enden durchbohrt, so dass klar wurde, dass es sich um Hals-, Arm- oder Fussbänder gehandelt haben dürfte, welche durch Lederbändel um Hals oder Gliedmassen fixiert worden waren. Die feinen Punktmuster könnten durch natürliche Farbstoffe wie Erde, Rötel oder Holzkohle inkrustiert gewesen sein.

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Abtrennen einer Geweihsprosse mit Hilfe eines Knochenmeissels


Sinnvolle und lehrreiche Verbindung zwischen Theorie und Praxis

Während des Frühjahrsemesters wurden den Studierenden die typologischen (Formenkunde), die technologischen und die chronologischen Hintergründe von neolithschen und römischen Knochen- und Geweihartefakten näher gebracht. Um diese Fülle von theoretischen Fakten durch eigene praktische Erfahrungen zu erweitern und zu festigen, werden immer auch im Rahmen eines praktischen Kurses originale Schmuck- und Werkzeugformen nachgebaut. Die Studierenden begreifen dadurch viel leichter technische und formale Hintergründe der Originalfunde und erhalten auch eine Vorstellung über den notwendgen Arbeitsaufwand.

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